SECRET HISTORY

Eine wahre, aber traurige Geschichte

Ein historische Foto - 356 Nr. 1 mit Ferry und Ferdinand Porsche:

Karl Ludvigsen schrieb in seinem Buch "Porsche - Ursprung einer Marke": All  zu oft wird Komenda's wichtiger Beitrag ignoriert und dieses Foto ohne ihn gezeigt.

Werbe-Prospekt: Das Prinzip Porsche: Erwin Komenda wurde aus dem Originalfoto weggeschnitten - so behandelt die Firma Porsche ihren ersten Designer
Werbe-Prospekt: Das Prinzip Porsche: Erwin Komenda wurde aus dem Originalfoto weggeschnitten - so behandelt die Firma Porsche ihren ersten Designer

Geheimnisse rund um den Nachlass von Erwin Komenda

From medical point of view it should be noted, that his legal capacity was probably restricted at this time.

Eine Tag ehe Komenda starb unterschrieb er in Anwesenheit von seiner Sekretärin Gutt, dem Porsche Archivar Ghislaine Kaes, der ein Cousine von Ferry Porsche war, ein Testament. Aus medizinischer Sicht ist zu bemerken, dass er zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht mehr testierfähig war.

 

Erwin Komenda erkrankte im Juni 1966 an Lungenkrebs und starb als aktiver Porschemitarbeiter am 22. August 1966 ohne Anwesenheit von Angehörigen in der Klinik Schillerhöhe in Stuttgart - seine Familie und Ehefrau lebten in Weyer.

 

Der Porsche Archivar Ghislaine Kaes kam mit einem Notar ans Sterbebett. Komenda unterzeichnete einen Tag bevor er starb ohne Beisein von Angehörigen ein notariell beglaubigtes Testament, welches vom Notar vorgelesen wurde, bezeugt von Archivar Ghislaine Kaes und seiner langjährigen Porsche Sekretärin Ilse Gutt. Aus medizinischer Sicht ist anzumerken, dass er zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht testierfähig war.

 

Ein lediglich das österreichische Vermögen abhandelnder Verlassenschaftsakt wurde von Porsche zu einem Notar nach Gmünd geschickt, gleichwohl der zuständige Wohnort Weyer bekannt war, und erreichte erst Monate später das zuständige Bezirksgericht Weyer. 

 

Vier Tage nachdem Komenda gestorben war, kam die Witwe nach Stuttgart. Am selben Tag verkaufte die Firma Porsche ihr ein Auto zum Vorzugspreis und meine Großmutter schrieb Ghislaene Kaes eine Vollmacht zwecks KFZ-Anmeldung.

 

Meine Großmutter ging zurück nach Weyer und die Firma Porsche übernahm nach seinem Ableben die Übersiedlung seines Haushaltes nach Weyer. Ferry Porsche's Cousin Ghislaene Kaes und Porsche Chefsekretärin Ilse Gutt leiteten die Nachlassabwicklung. Ghislaene Kaes verbrachte einige Wochen in Weyer bei der Witwe. Komenda's privates technisches Archiv, welches sich in seinem Arbeitszimmer in der Stuttgarter Wohnung befand, wurde von Porsche nach seinem Tod konfisziert: Sämtliche Fotos, Tagebücher, Notizbücher, Skizzen,..

 

Ingrid, Komenda's Tochter, erinnert sich: "Mein Vater hatte in unserer Wohnung in Stuttgart ein eigenes Arbeitszimmer, wo er bis spät in die Nacht hinein gearbeitet hat - auch in der Firma PORSCHE hatte er ein eigenes Büro – der gesamte Inhalt dieser beiden Zimmer wurde von der Firma Porsche in seine kleine braune, Akten-Ledertasche gepackt, darin fand ich Glückwunschkarten zu seinem 50. Geburtstag."

 

Ingrid kam 2001 nach Stuttgart zurück und besuchte das Porsche Museum - dort war sie tief betroffen und weinte, als sie sah, Ihr Vater wurde namentlich nicht erwähnt und war auf dem großen Wandfoto hinter dem ersten Porsche 356, seiner Kreation, weggeschnitten.

 

Ingrid sah im Porsche Museum Gegenstände aus dem Büro ihres Vaters, die er einst ihr gegenüber als Geburtstagsgeschenke deklarierte.

 

 Und die Geheime Porsche Geschichte geht im 21. Jahrhundert weiter 

 

Ich interessierte mich schon sehr früh für das Lebenswerk meines Großvaters und arbeitete nach meinem Studienabschluß an einer Biografie über Erwin Komenda. Es zog mich nach Stuttgart. Gemeinsam mit meiner Familie besuchte ich 2001 Stuttgart, das Porsche Museum und Porsche Archiv. Kurze Zeit danach hatte ich ein Gespräch mit Vertretern der Porsche Firmenleitung, diese zeigte Interesse am Projekt.

 

Ich legte mein Manuskript vor und ersuchte um Unterstützung und Kooperation. Seite für Seite wurde das Manuskript inspiziert – als die letze Seite erreicht war, teilte man mir mit, dass die Firma Porsche kein Interesse daran hätte, eine Komenda Biografie zu veröffentlichen und dieses Projekt nicht unterstützen würde - mir wurde dezitiert verboten, das Porsche Archiv und Entwicklungszentrum Weissach je zu betreten. Dieses Verbot wurde in Anwesenheit meines Bruders, Karl Steineck, ausgesprochen.

 

Ich habe die bisherige Öffentlichkeitsarbeit und in wesentlichen Dingen nicht der Wahrheit entsprechende Darstellung der Porsche Geschichte in dem Treffen mit der Firmenleitung angesprochen und untersagt. Die Begegnung endete mit dem Satz:

"Keine Sorge - wir wissen schon was wir an unserem Komenda haben!"

 

Sicherlich hatte Porsche nach diesem Gespräch intensive Rechtsberatungen.

 

Unmittelbar nach meiner Kontaktaufnahme hatte Porsche die Darstellung der Historie geändert. Die Namen Ferdinand Porsche und Ferry Porsche werden nicht als Erfinder sondern als Firmenleiter genannt. Lediglich FA "Butzi" Porsche wird weiterhin als Erfinder des 911 bezeichnet.

 

Wenn man die juristische Situation näher betrachtet, fällt auf, dass zu jener Zeit, in der sich im Porsche Konstruktionsbüro das Arbeitsklima  verschärft hatte und Porsche Familienmitglieder Schlüsselpositionen im Porsche Entwicklungsprozess übernahmen, es rechtliche Änderungen in der Verwertung von Diensterfindungen gab.

 

1957 wurde das deutsche Gesetz über Arbeitnehmererfindungen in Kraft gesetzt, dies betraf besonders die innovative Denkfabrik Porsche, da es die materielle Verwertung von Erfindungen und entsprechende Vergütung des Erfinders regelt.

 

Aus juristischer Sicht betrachtet, fällt auf, dass Erwin Komenda seinen Angehörigen nicht mehr vererbt hat, als ein einfacher Arbeiter jener Zeit, was verwundert, da das deutsche Arbeitnehmererfindungsgesetz seit 1957 bestand und Komenda unzählige Diensterfindungen entwickelt hat, die bis heute den Ruf und Reichtum der Firma Porsche begründen.

 

Komenda hatte in Weyer ein privates, technisches Archiv, welches seine frühen Jahre bei Porsche von 1931 bis 1950 abdeckt, es ist im Familienbesitz.

 

Warum wurde sein privates, technisches Archiv in Stuttgart, welches die Jahre 1950 bis 1966 betrifft, von Porsche konfisziert?

 

Ist die Causa Komenda nicht nur ein Psychogramm beteiligter Persönlichkeiten der Porsche Geschichte sondern auch ein Wirtschaftskrimi?

  

Eine ernsthafte, historische Aufarbeitung von Komendas Einfluss auf die Entwicklung des Porsche Typ 911 ist schwierig und erinnert an Balzacs Roman "Verlorene Illusionen" - dieser endet mit der Darstellung des Unterschiedes zwischen "Offizieller Geschichte" und "Geheimer Geschichte" und dem Hinweis, dass es möglich ist, Wahrheiten einer Geschichte für lange Zeit zu verschleiern.