Ehre wem Ehre gebührt: Der Porsche 911 – Ein Mythos auf Halbwahrheiten?

Der Porsche Sportwagen 356: Er gilt als Vorgängermodell des Ur-Porsche 911.
Der Porsche Sportwagen 356: Er gilt als Vorgängermodell des Ur-Porsche 911.

Artikel zum Urheberrechtsschutz Teil 1, erschienen in ProVendis

Autorin Dr. Sabine Zentek ist Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht. Ihr Fokus ist der Designschutz.

 

Das Design des Porsche 911 ist unverkennbar – doch um die Urheberrechte an der berühmten Formgebung des Sportwagenklassikers führt die Porsche AG einen Rechtsstreit.

 

Der Rechtsstreit ist nicht nur aufsehenerregend, weil eine begehrte Ikone im Mittelpunkt steht. Es geht auch um viel Geld: Je größer der Vermarktungserfolg und je niedriger die Vergütung, desto höher liegt die Summe, um die gefochten wird. 

Bei allem Medienrummel um Millionenbeträge ist nicht zu vergessen, dass jede gerichtliche Auseinandersetzung eine menschliche Seite hat. Im Porsche-Fall geht es nicht nur um Geld, sondern auch um eine ideelle Kompensation: Ehre wem Ehre gebührt. Die Porsche AG bestreitet bis heute das Ausmaß der Mitwirkung von Erwin Komenda am Mythos 911 und argumentiert, er habe als angestellter Konstrukteur lediglich technische Aufgaben gelöst, ein Designer sei Komenda hingegen nicht gewesen. Die äußere Form des Porsche 356 und 911 seien wesentlich durch die technischen Bedürfnisse des Sportwagenbaus bestimmt. Die Gestaltungsmöglichkeiten seien begrenzt, was bis heute zu vielen ähnlichen Automobilen führe.

Indem die Porsche AG die Leistungen von Erwin Komenda kleinredet und sogar die eigene Designikone auf eine rein technische Lösung reduziert, versucht sie, urheberrechtliches Terrain zu meiden. Denn Urheberrechte setzen künstlerische Gestaltungsfreiheiten voraus. Und obwohl die Porsche AG in Werbung und Publikationen stets die außerordentliche eigene Designleistung beim Porsche 911 hervorhebt, die sich bis zum Wiedererkennungswert einer „Porsche-DNA“ steigert, verfiel die erste Instanz den Argumenten des Autobauers.

Das Landgericht Stuttgart hat die Klage mit Urteil vom 26. Juli 2018 abgewiesen (17 O 1324/17). Die Unterschiede zwischen den ursprünglichen und den aktuellen Modellen des Porsche 911 seien so deutlich, dass von einem eigenständigen Werk gesprochen werden könne. Dies ist Thema des nächsten Beitrags.

Ingrid Steineck verfolgt die Interessen ihres Vaters im Berufungsverfahren weiter. Wenn der Fall nicht durch Vergleich beendet werden kann, kommt noch der Gang zum Bundesgerichtshof in Betracht.     


Stellungnahme der Familie Komenda zum Artikel von Dr. Zentek

 

Dieser Artikel von Dr. Sabine Zentek, Fachanwältin für Urheberrecht,  freut uns sehr und hat uns emotional tief berührt, weil die menschliche Komponente des Urheberstreits erwähnt wird, der Umgang mit einem Schöpfer, dessen Leistungen negiert werden, die Doppelmoral einer Firma, wenn gleichzeitig dem Designer Leistungen abgesprochen werden und an anderer Stelle mit diesen Leistungen geworben wird - sogar ein Terminus, die „Porsche-DNA“,  dafür kreiert wurde - aber sehr betrüblich ist auch der Umgang des Gerichts, wo meiner Meinung nach ein Opfer der Industrie, welches sich wehrt und Unrecht aufzeigt, nochmals zum Opfer wird und Tatsachen der Werbepolitik ignoriert werden.

 

Das ist ein narzisstisches Desaster, wo alles verdreht ist, und familiär gesehen ist diese Vorgehensweise über mehre Generationen hinweg belastend und traurig, denn bei Kunstwerken geht es immer um die Identität des Schöpfers - Respekt für den Schöpfer, Achtung seines Werkes und es geht um die Wahrheit eines Schöpfungsprozesses für die Gegenwart und Nachwelt.

 

Ja, für uns als Familie geht es in diesem Prozess um die Rehabilitation der Leistungen unseres Vaters und Großvaters, um seine Anerkennung als Schöpfer dieser Werke. Um eine offizielle Anerkennung - seinen Namen in Zusammenhang mit der Größe seines Werks stehen lassen zu können, auch für die Nachwelt - und wir erleben jeden Versuch ihn zu eliminieren, als persönliches Unrecht und Lüge. Aber es geht uns auch auch um die Wahrheit in der Porsche Geschichte, dafür setzen wir uns ein. Übrigens selbiges gilt für VW.

In dem verlinkten Artikel erhält das Unrecht einen Namen und auch das Vorgehen des Gerichts wird kritisch beleuchtet und das freut mich sehr. Dieser Artikel von Frau Zentek erscheint mir gerecht. Und mutig. Wir danken der Autorin für diesen wunderschönen Artikel und für ihren Einsatz für die Wahrheit und die Rechte der Urheber. Gerechtigkeit für alle Urheber - für die Gegenwart und die Zukunft!

 

Und wir danken allen anderen Unterstützern in diesem Rechtsstreit auch sehr herzlich.

Erwin Komenda und Ferdinand Porsche
Erwin Komenda und Ferdinand Porsche

 

Welche Ehrung erfährt Ferdinand Porsche und dessen Söhne und im Vergleich dazu welche Ehrung erfährt Erwin Komenda?

 

Hätte es ohne Komenda diesen VW-Käfer in dieser ganz speziellen Form gegeben?

 

Hätte es ohne Komenda den ersten Porsche, den Porsche Typ 64, gegeben?

Hätte es ohne Komenda den Porsche Typ 356 gegeben?

Hätte es ohne Komenda den Porsche Spyder gegeben?

Hätte es ohne Komenda den Porsche Typ 911 gegeben?

 

Und heute:

Hätte es ohne den VW-Käfer ein Re-Make des VW-Beetle gegeben?

 

Sind der Ur-Porsche und erste 911 Vorbilder für den modernen Porsche Sportwagen?

Was ist denn die "Porsche-DNA"?

Ist die Linie des Porsche 356 und ersten 911 in den heutigen Porsche Sportmodellen noch erkennbar?